Die Haltung von Stanleysittichen
Stanleysittiche sind, wie auch alle anderen Sittiche, sehr gesellig. Darum sollte man sie nicht allein halten, sondern auf jeden Fall als Pärchen. Hat man genügend Platz und Trennungsmöglichkeiten, kann man auch eine kleine Gruppe zusammen halten. Geraten Stanleysittiche in Brutlaune (was auch ohne besondere Zuchtabsichten geschieht, sobald die äußeren Faktoren wie Licht, Luft, Sonne, reichhaltiges Futter etc. stimmen, nur kommt es ohne Nistkasten nicht zur Eiablage), kann es jedoch zu Aggressivitäten kommen, so daß man die Paare voneinander trennen muß. Hat sich ein Paar einmal gefunden, ist es sich sehr innig verbunden und die Partner sollten nicht getrennt werden. Zwei Stanleys werden auch, entgegen dem weitverbreiteten Gerücht, genauso zahm wie ein Einzelvogel, wenn man sich intensiv mit ihnen beschäftigt (und das müßte man sich mit einem Einzelvogel mindestens genauso, da man ihm den Partner ersetzen muß). Es gibt jedoch Vogelarten, die leichter zu zähmen sind; legt man Wert auf ein sehr zutrauliches Vogelpaar, sind Stanleysittiche nicht unbedingt die idealen Vögel, obwohl sie sehr neugierig und verspielt sind.
Man sollte (bei zwei Vögeln) immer ein echtes Paar wählen. Gibt man keinen Nistkasten, wird es nur in äußerst seltenen Fällen zu Paarungen oder gar einer Eiablage kommen (wozu es in Deutschland zwingend einer Zuchtgenehmigung bedarf, siehe auch Zucht), man muß also nicht befürchten, bei einem Paar einem Kindersegen ausgesetzt zu sein :-)
Wählt man zwei Weibchen, passiert es im besten Fall, daß die beiden sich halbwegs tolerieren und miteinander abgeben, eine echte Beziehung wird dabei aber nicht aufgebaut, man hat also in der Regel zwei "Einzelvögel", die nebeneinander herleben. Es kann auch zur Frustration der beiden kommen, wenn sie erwarten, von einem Hahn umworben zu werden, was sich beispielsweise in unzufriedenem Geschrei (und dann können die sonst recht ruhigen Vögel sehr laute Pfiffe von sich geben...) oder sogar Aggressionen und Rupfen äußern kann .
Setzt man zwei Männchen zusammen, kann es sehr übel ausgehen. Die Hähne tolerieren sich in der Regel wie die Weibchen, bis sie im Alter von ca. 12 Monaten geschlechtsreif werden. Spätestens dann wird es zu heftigen Auseinandersetzungen kommen, wo sich beide auch tätlich angreifen, beißen, ineinander verkrallen und Luftkämpfe austragen. Hier hilft dann nur noch getrennter Freiflug, und auch dann werden beide stets versuchen, den "Gegner" zu vertreiben. Es liegt in der Natur der Stanleymänner, sich und einem potentiellen Weibchen einen guten Nistplatz zu reservieren - jeder Gegner, der vielleicht auch Anspruch auf den Nistplatz erheben könnte, muß schnell vertrieben werden, damit die eigenen Gene weitergegeben werden können. Diese Problematik trifft alle Plattschweifsittichhalter, wobei die Stanleysittiche noch die Friedfertigsten sind (wer mag, kann beispielsweise nach Berichten von Rosellahaltern suchen, dort laufen Revierkämpfe meistens heftiger ab). Aus diesem Grund ist es auch ratsam, brutwillige Paare voneinander zu trennen (selbst ohne Zuchtabsichten, sobald die brutstimulierenden Faktoren stimmen, meistens automatisch im Frühjahr, geraten die Vögel zumindest in die Stimmung, die sich ohne Nistgelegenheit nach einigen Tagen bis Wochen wieder legt). Es kommt auch vor, daß dann sonst sehr zutrauliche und friedfertige Vögel auf einmal den Halter angreifen. Das ist nicht böswillig gemeint, der Vogel sieht in dem Moment nur einen Rivalen im Menschen und wird zur Furie. Ernsthafte Verletzungen sind nicht zu erwarten, vielleicht eine kleine Schramme. Die kleinen Vögel lassen sich auch relativ gut abwehren und haben keine große Kraft im Schnabel. Dieses Verhalten, wenn es denn überhaupt so ausgeprägt auftritt, dauert in der Regel nur wenige Tage, dann ist erst einmal wieder Ruhe und die Vögel werden auch wieder friedlich. Unter Berichte kann man lesen, wie es bei der Haltung von zwei Brüdern ausgegangen ist.
Die Haltung an sich ist nicht sehr problematisch, wenn man genügend Platz zur Verfügung hat, da Stanleysittiche, wie alle Plattschweifsittiche, begeisterte und hervorragende Flieger sind. Stanleys können auch gut in einer größeren Außenvoliere mit frostfreiem Schutzhaus ganzjährig gehalten werden (die Temperatur sollte nicht unter 5°C fallen). Handelsübliche Käfige eignen sich höchstens als Übernachtungs- und Futterstation, wenn die Vögel ganztägig in einem sicheren Raum Freiflug haben. Müssen sie auch mal einige Stunden eingesperrt sein, sollte man gleich eine geräumige Voliere in Betracht ziehen. Ein Selbstbau aus Holz oder fertigen Aluvierkantrohren bietet sich an. Da die meisten käuflichen Volieren höher als breit sind, Stanleys aber keine "Senkrechtstarter" sind, sollte eine Voliere breiter als hoch sein; zudem läßt sich eine selbstgebaute Voliere optimal an die Wohnung anpassen. Sie sollte mindestens 1,5m lang sein, lieber länger. Höhe und Tiefe sind nicht ganz so wichtig, sollten aber ebenfalls so groß wie möglich gewählt werden (mindestens 80 cm, besser 1m und mehr). Auch dann ist täglicher Freiflug sehr wichtig! Als "Möblierung" sollten ungespritzte Naturäste mit unterschiedlichen Durchmessern verwendet werden. Die Füße der Sittiche sollten die meisten Äste nicht vollständig umschließen können; so werden die Krallen abgenutzt und nur in seltenen Fällen zu lang. Einige dünnere Ästchen trainieren die Fußmuskulatur. Stanleysittiche klettern zwar gern, doch es sollte noch so viel Flugraum wie möglich bleiben, also nach Möglichkeit nicht zu viele Äste einbauen.
Stanleys klettern sehr gerne und agil. Meine beiden steigen oft am Volierendraht sehr schnell hinauf, ohne den Schnabel zur Hilfe zu nehmen. Mit einigen verzweigten Ästen (z. B. ein Ast der gewundenen Korkenzieherhasel) kann man ihnen eine große Freude machen, ebenso mit einem Kletterseil etc. Sie baden auch furchtbar gern. Eine flache Schüssel mit frischem Wasser sollte immer für sie bereitstehen. Einige Vögel mögen auch ein Duschbad aus der (sauberen, d. h. niemals mit etwas anderem als Wasser gefüllten) Blumenspritze (frisch befüllen, kein Wasser stehenlassen - es bilden sich schnell Keime bis in schädliche Konzentrationen).
Mindestens ebenso wichtig ist der regelmäßige Freiflug. Wie eigentlich alle Sittiche sind auch Stanleys gute und ausdauernde Flieger, die ihre Flügel gern gebrauchen. Sie sollten täglich die Gelegenheit haben, einige Stunden im Zimmer zu fliegen (sofern sie nicht in einer geräumigen Außenvoliere untergebracht sind). Da sie nur wenig dazu neigen, etwas anzunagen, ist eine Zimmereinrichtung auch selten gefährdet. Damit die Vögel gar nicht erst in Versuchung kommen, sich am Schrank zu vergreifen, sollte man ihnen trotzdem immer genug natürliches Material wie Zweige, Äste, Seile, Hanfmatten etc. zur Verfügung stellen. Damit läßt sich auch prima ein Vogelbaum oder ein Freisitz ausrüsten! Der Freiflug sollte in sehr sicheren Räumen stattfinden oder ständig beaufsichtigt werden. Stanleysittiche neigen nicht dazu, etwas zu zerstören, aber sie sind sehr neugierig und müssen alles genau untersuchen. Dabei können sie sich auch in gefährliche Situationen bringen, wenn sie beispielsweise in eine Ziervase fallen oder in einen Schwingdeckeleimer, auf eine heiße Herdplatte geraten, ins Aquarium fallen, hinter einem Schrank steckenbleiben, in einer Schublade eingeschlossen werden, unter einer Decke versehentlich erdrückt werden, giftige Pflanzen anknabbern, sich stoßen, einklemmen, stechen, verbrennen etc. Es lauern sehr viele versteckte Gefahren auf die neugierigen Vögel, man sollte den Raum also immer wieder mit Vogelaugen betrachten: wo könnte es am Spannendsten sein zu spielen, was ist verboten (denn wie bei kleinen Kindern ist es auch für Stanleys das tollste, verbotene Plätze aufzusuchen, wenn niemand hinguckt), welche dunkle Ecke wurde noch nicht erforscht, was ist vielleicht wochenlang uninteressant gewesen, könnte aber jetzt plötzliche Aufmerksamkeit verdienen? Eine sehr gute und ausführliche Gefahrenliste gibt es auf Sittich-Info.de. Stanleysittiche knabbern nicht viel an, aber sie probieren häufig aus, wie etwas schmeckt. Können sie dabei nichts Giftiges schlucken (Gummidichtungen, Gardinenstoff, Vorhänge (Stichwort Bleibänder!), Styropor- oder Plastikunterlagen)? Zudem sind sie sehr wendige Flieger, die auch durch angelehnte oder nur gekippte Fenster leicht hindurchfliegen können. Wie Kunstflieger legen sie sich einfach auf die Seite und flutschen hindurch. Bei Türen und Fenstern muß man also sehr auf Sicherheit achten. Um ungehindert lüften zu können, kann man auch ein Fenster mit einem Rahmen versehen, auf den man Volierendraht getackert hat. Meine Stanleys hängen sogar im Winter gern am Draht und schauen nach draußen, und ich kann ungehindert lüften (dabei aber auf Durchzugbildung achten; ein leises Lüftchen darf den Stanleys ruhig um den Schnabel wehen, aber sie sollten nicht dem vollen Zug ausgesetzt sein und müssen mindestens eine Rückzugmöglichkeit haben). Eine Beschreibung meiner Vergitterung findet sich unter Anleitungen.